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Bauverträge mit KI vergleichen: Fachwissen ergänzt den Blick auf einzelne Klauseln

Eine Studie ordnet Vertragsklauseln, fachliche Erläuterungen und rechtliche Informationen einer gemeinsamen Struktur zu. Im Versuch liefert diese Wissensbasis vollständigere Suchergebnisse als die Suche in Textabschnitten ohne diese fachliche Zuordnung.

Den Vertrag mit einer fachlich erschlossenen Vorlage vergleichen

Eine geänderte Vertragsklausel kann Pflichten verschieben, obwohl ihr Wortlaut der Vorlage noch ähnelt. Ein Forschungsteam um Eu Wang Kim untersucht, wie Sprachmodelle solche Änderungen mithilfe zugehörigen Fachwissens analysieren können. Als Grundlage dient das FIDIC Red Book von 1999, ein Mustervertrag für internationale Bauprojekte.

Das Team ordnet jeder Klausel den ursprünglichen Vertragstext, fachliche Erläuterungen, rechtliche Informationen und Hinweise aus der Vertragspraxis zu. Diese Wissensbasis wird durchsuchbar gemacht. Die Verbindung aus Informationssuche und Antworterzeugung durch ein Sprachmodell heißt Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG.

Bei der Prüfung wird eine eingereichte Klausel zunächst dem passenden Teil der Vertragsstruktur zugeordnet. Innerhalb dieses Bereichs sucht das System nach passenden Wörtern und inhaltlich ähnlichen Aussagen. Das Sprachmodell vergleicht die Klausel anschließend mit der Vorlage und nutzt die gefundenen Erläuterungen für seine Analyse. Verweise sollen dem Prüfer ermöglichen, die Aussagen an den verwendeten Grundlagen nachzuvollziehen.

Was die Versuche über Suche und Antwort zeigen

Das Team verglich die FIDIC-Vorlage mit den darauf aufbauenden omanischen Standardvertragsbedingungen von 2019. Vier Verfahren bearbeiteten jeweils 320 Testanfragen. Automatische Bewertungsverfahren untersuchten, wie vollständig die benötigten Informationen gefunden wurden und wie eng sich die Antworten an diese Grundlagen hielten.

Beide verglichenen RAG-Systeme kombinierten die Suche nach passenden Wörtern mit einer Suche nach ähnlicher Bedeutung. Sie unterschieden sich in der Aufbereitung des Wissens: Das einfache System suchte in Dokumentabschnitten ohne die fachliche Zuordnung zu Vertragsklauseln; das vorgeschlagene System nutzte die nach Klauseln geordnete Wissensbasis.

Der Vollständigkeitswert reicht von 0 bis 1; bei 1 wurden alle benötigten Informationen gefunden. Er lag beim einfachen RAG-System bei 0,635 und beim vorgeschlagenen System bei 0,969. Auch die Übereinstimmung der Antworten mit dem gefundenen Kontext verbesserte sich.

Die Fehleranalyse zeigt, dass gefundene Inhalte beim Formulieren wichtige Einzelheiten verlieren können. So wurde aus einem konkret festgelegten täglichen Satz mit einer Höchstgrenze ein allgemeiner Hinweis auf Zahlungen wegen Verzögerungen. Andere Antworten ließen Voraussetzungen oder die Abfolge vertraglicher Schritte aus. Gerade diese Angaben bestimmen, wie eine Klausel im konkreten Fall zu verstehen ist.

Ein Team könnte den Ansatz nutzen, um Änderungen gegenüber einer vertrauten Vertragsvorlage zusammen mit den zugehörigen Erläuterungen zu sichten. Dafür muss es die Wissensbasis mit Vertragswissen aufbauen und die verwendeten Fassungen pflegen. Für die anschließende Auslegung kommt es darauf an, dass Bedingungen, Beträge und Verfahrensschritte in ihrem Zusammenhang erhalten bleiben.

Bibliografie

Originaltitel
Development of an Automated Construction Contract Review Framework Using Large Language Model and Domain Knowledge
Autoren
Eu Wang Kim, Yeon Ju Shin, Kyong Ju Kim, Sehoon Kwon
Verantwortliche Einrichtung
Chung-Ang University; Samsung C&T (Autorenaffiliationen)
Quellenart
Wissenschaftlicher Zeitschriftenartikel
Veröffentlicht in/auf
Buildings, Band 15, Heft 6, Artikel 923
Herausgeber/Verlag
MDPI AG
Veröffentlichungsdatum
14. März 2025
DOI
10.3390/buildings15060923 (öffnet in neuem Tab)
Originalzugang
Volltext-PDF (öffnet in neuem Tab)
Zugang
Open Access