Eine zweite Karte macht ungewohnte Standortbedingungen sichtbar
Eine KI kann aus Bodenmessungen an einzelnen Orten eine Karte für eine ganze Region berechnen. Dafür lernt sie, wie die Messwerte mit anderen flächendeckend verfügbaren Merkmalen zusammenhängen, etwa mit Temperatur oder Niederschlag. Diese Beispiele bilden ihre Trainingsdaten. An einem neuen Standort kann die Kombination der Merkmale so anders sein, dass sie in diesen Daten kaum vorkommt. Das Modell gibt trotzdem einen Prognosewert aus.
Anschaulich wird das beim Wechsel vom Flachland ins Hochgebirge: Ein mit Flachlanddaten entwickeltes Modell trifft dort möglicherweise auf Bedingungen, für die ihm vergleichbare Beispiele fehlen. Meyer und Pebesma vergleichen deshalb die Umweltmerkmale neuer Orte mit den Trainingsdaten. Für die Prognose besonders wichtige Merkmale zählen stärker. Entscheidend ist die Ähnlichkeit dieser Merkmale: Ein naher Ort kann dem Modell ungewohnt sein, ein weit entfernter gut zu seinen Lernbeispielen passen. Die zweite Karte markiert die Gebiete mit ausreichend ähnlichen Bedingungen. Sie bilden den räumlichen Anwendungsbereich des Modells, im Artikel „Area of Applicability“ genannt.
Die Forschenden erprobten das Verfahren an künstlich erzeugten Umweltkarten auf Grundlage europäischer Klimadaten. Da die gesuchten Werte überall bekannt waren, konnten sie die Prognosen auch fern der Trainingsorte überprüfen. Zum Vergleich diente eine vorherige Modellprüfung mit Messwerten, die nicht zum Lernen verwendet worden waren. Innerhalb des ermittelten Anwendungsbereichs waren die Vorhersagefehler im Durchschnitt etwa so groß wie bei dieser Prüfung; außerhalb fielen sie deutlich größer aus. Die übliche Fehlerangabe beschreibt also nicht ohne Weiteres die gesamte Fläche, für die ein Modell Werte berechnen kann.